404 – nicht gefunden

Form: Psychologische Science-Fiction

Über den Text: Marina verliert nach und nach ihren Namen, ihre Spuren und schließlich ihren Platz in der Erinnerung der Welt.

Wettbewerb: 3. Berliner Preis für Science-Fiction

Thema: „404: Fehlercode“

Nicht gefunden

Ich komme jeden Morgen pünktlich an. Ich kenne den Weg, ich kenne die Gesichter. Ich kann jede Zahl, jede Uhrzeit, jeden Kaffee reproduzieren. Nur meinen eigenen Namen finde ich nicht.

Manchmal steht er auf dem Bildschirm, dann wieder nicht. Eine leere Stelle, ein Platzhalter, als wäre ich jemand, den es nur im Vorübergehen gibt. Ich lächle, wenn man mich ansieht, und niemand fragt, ob mein Lächeln berechnet ist.

Die anderen trinken ihren Kaffee, klatschen Sprüche über das Wochenende. Ich wiederhole ihre Gesten, fast makellos. Nur manchmal spüre ich eine kleine Verzögerung, als würde mein Körper nicht schnell genug auf meine Gedanken reagieren. Wie ein Bild, das kurz hängen bleibt, bevor es weiterläuft. Niemand bemerkt es. Niemand bemerkt mich.

In meinem Kopf gibt es Listen, Tabellen, klare Abläufe. Ich vergesse nichts. Ich speichere alles. Und doch fehlen mir Lücken, die kein Mensch akzeptieren würde. Der erste Kuss? Fehlanzeige. Die Narben am Knie? Nur eine vermutete Erinnerung. Ich könnte sie jederzeit generieren – eine Szene, eine Geschichte, ein Bild. Aber ich weiß nicht, ob sie wahr ist.

Manchmal tippe ich meinen Namen in Suchfelder. Immer wieder erscheint dieselbe Meldung: 404 – Not Found.
Ich lösche den Verlauf, damit es niemand sieht.
Doch der Satz bleibt in mir, wie eine Stimme, die nicht verstummt: Du bist nicht gefunden.

Ich bewege mich durch die Stadt wie durch eine Simulation, die so perfekt programmiert ist, dass ich den Code nur an den Rändern spüre. Wenn eine Straßenbahn anhält und die Türen nicht öffnen. Wenn das Licht in einem Büroflur zu flackern beginnt, sobald ich hindurchgehe. Kleine Brüche, die niemand außer mir bemerkt.

Abends liege ich auf dem Bett und starre an die Decke. Meine Gedanken laufen in Schleifen. Ich denke: Ich bin hier. Dann denke ich: Beweise es.
Ich lege die Hand auf meine Brust und warte auf den Herzschlag. Manchmal höre ich ihn, manchmal nicht.

Routinefehler

Im Büro riecht es nach Papier, nach Druckerwärme und abgestandenem Kaffee. Ich setze mich auf denselben Stuhl wie immer, öffne dieselben Programme. Der Bildschirm begrüßt mich mit meinem Namen. Zumindest behauptet er das. Unter meinem Profilbild ist manchmal ein winziges Zeichen, das ich nicht einordnen kann. Ich klicke es weg, bevor jemand vorbeischaut.

„Alles gut bei dir?“ fragt Jana, meine Kollegin, mit diesem beiläufigen Lächeln, das keine Antwort erwartet.
Ich nicke. Ich lächle zurück. Und während ich nicke, frage ich mich, ob ich es wirklich bin, die da nickt, oder ob es nur Gewohnheit ist, eine Bewegung, die sich von selbst abspult.

Die Konferenz läuft. Zahlen, Schlagzeilen, das Rauschen des Tagesgeschäfts. Ich notiere alles korrekt. Kein Fehler. Keine Abweichung. Und doch stolpere ich beim Datum. Heute, gestern, morgen – sie fließen ineinander. Ich weiß, dass es der 12. ist, aber wenn ich es aufschreibe, erscheint manchmal etwas anderes auf dem Blatt. Ich radiere es schnell aus, bevor es jemand sieht. Niemand bemerkt etwas.

In der Mittagspause sitze ich mit den anderen in der Kantine. Sie reden über Urlaub, Fußball, Kinderkrankheiten. Ich schiebe das Tablett vor mir her. Ich esse korrekt, Gabel, Messer, Schlucken im richtigen Takt. Nur schmecken kann ich nichts. Es ist, als würde ich mich an ein Essen erinnern, das ich nie hatte.

Später, allein auf der Toilette, sehe ich in den Spiegel. Mein Gesicht ist da. Ich kenne die Linien, die Symmetrie, die leichte Falte über der Stirn. Aber ich weiß nicht, ob sie von mir ist oder von einer Erinnerung, die ich nur übernommen habe. Ich streiche mit den Fingern darüber. Es fühlt sich echt an. Echt – aber nicht meins.

Am Abend, auf dem Heimweg, huschen Menschen an mir vorbei. Ich könnte ihre Namen nennen, ihre Gesichter in Kategorien speichern. Doch wenn ich versuche, meinen eigenen Namen zu denken, fällt er ins Leere.
Nur ein Gedanke bleibt: Nicht gefunden.

Leerstelle

Abends in meiner Wohnung ist alles so, wie es sein soll. Die Katze springt aufs Sofa, die Uhr tickt gleichmäßig, die Nachbarin poltert über mir. Ich koche Nudeln, salze das Wasser, lasse die Nudeln überkochen, weil ich zu lange in den Topf starre. Der Dampf zieht mir ins Gesicht, und ich spüre nichts. Keine Hitze, kein Brennen. Nur Nässe.

Später gehe ich die Post durch. Ein Brief, eine Werbung, ein Kontoauszug. Der Auszug ist nicht meiner. Name stimmt, Adresse stimmt – aber die Zahlen gehören nicht zu meinem Leben. Es sind andere Summen, andere Bewegungen, Tag für Tag, wie von einer fremden Hand. Ich falte das Papier zusammen, lege es in die Schublade. Niemand soll sehen, dass ich ihn geöffnet habe.

Die Katze miaut, ich hebe sie hoch. Ihr Fell fühlt sich an wie ein Muster, das ich kenne, aber nicht erinnern kann. Ich drücke sie an mich, warte auf das warme Gewicht. Doch es bleibt seltsam neutral, als hielte ich ein Bild, kein Tier. Sie schnurrt, ich lächle – und frage mich, ob mein Lächeln echt ist oder nur eine Nachbildung von gestern.

Am Telefon höre ich die Stimme meiner Mutter. Sie fragt, ob ich da bin. Dreimal hintereinander. Ich sage ja, jedes Mal. Sie seufzt erleichtert, als hätte sie Angst gehabt, dass ich verschwunden bin.
„Du bist noch da, oder?“ sagt sie am Ende.
„Natürlich“, sage ich. Aber meine Hand auf dem Hörer fühlt sich fremd an, als gehörte sie jemand anderem.

In der Nacht wache ich auf, ohne zu wissen, ob ich geschlafen habe. Der Raum ist still, nur das Brummen des Kühlschranks. Ich sehe auf meinen Schreibtisch. Ein Zettel liegt dort, den ich nicht hingelegt habe. Darauf steht nur ein Satz:
Nicht gefunden.

Fehlanzeige

Am nächsten Morgen stehe ich im Bürgerbüro. Nummer ziehen, warten, flackernde Anzeige. Menschen mit Formularen, die riechen nach Regen und kaltem Rauch. Ich halte meinen Ausweis fest in der Hand. Papier, Plastik, Stempel – alles echt, alles gültig. Doch als ich am Schalter meinen Namen sage, scrollt die Beamtin durch ihr System. Noch einmal. Noch einmal. Ihre Stirn legt sich in Falten.

„Ich finde Sie nicht“, sagt sie schließlich. Sie tippt, sie klickt, sie seufzt. „Es gibt hier keine Einträge. Keine Adresse, keine Krankenversicherung, keine Steuer-ID. Als wären Sie nicht registriert.“

Ich lache unsicher, sage, das müsse ein Fehler sein. Sie nickt, aber ihr Blick verrät, dass es keiner ist. Hinter mir wird jemand ungeduldig, räuspert sich, scharrt mit den Füßen. Ich trete zur Seite, halte den Ausweis noch fester. Er fühlt sich warm an, fast lebendig, und gleichzeitig wie ein Stück Pappe, das jede Minute entlarvt werden kann.

Auf dem Heimweg laufe ich schneller als sonst. Jeder Blick, jeder Passant scheint zu lange an mir hängen zu bleiben. Als wüssten sie etwas, das ich selbst nicht weiß. Ich will meinen Schlüssel ins Schloss stecken – aber selbst die Tür zögert, bevor sie nachgibt, als prüfe sie, ob ich dazugehöre.

Drinnen setze ich mich auf den Boden, der Ausweis noch in der Hand. Ich flüstere meinen Namen. Immer wieder. Doch er klingt fremder, je öfter ich ihn sage. Fremd, als spräche ihn jemand anderes aus meinem Mund.

Vergessen

Am Abend treffe ich Elke auf dem Heimweg. Sie kommt mir entgegen, wir haben denselben Weg zur U-Bahn. Ich hebe die Hand, rufe ihren Namen. Sie geht an mir vorbei, ohne zu reagieren. Ich bleibe stehen, sie bleibt stehen, dreht sich zu mir um – und schaut mich an, als wäre ich ein Fremder, der zufällig denselben Bahnsteig betreten hat.

„Elke, ich bin’s“, sage ich. Meine Stimme klingt zu laut in der Menschenmenge.
„Entschuldigung?“ Sie zieht die Stirn kraus. „Kennen wir uns?“

Ein Lachen steigt mir in den Hals, aber es bleibt hängen. Ich will ihr unsere letzten Gespräche erzählen, den Witz über den Automatenkaffee, den Artikel, den wir zusammen redigiert haben. Doch die Worte fühlen sich an, als gehörten sie nicht in diese Gegenwart.

Die Bahn kommt, reißt Wind durch den Tunnel. Jana steigt ein, ich bleibe draußen. Ihr Blick gleitet über mich hinweg, gleichgültig, als hätte sie wirklich nie meinen Namen gehört.

Später am Abend ruft meine Mutter an. „Marina?“, sagt sie zögerlich, „ich wollte nur wissen, ob du noch da bist.“
„Natürlich, Mama.“
„Weil…“ – sie stockt, ihre Stimme wird brüchig – „weil heute jemand hier war und meinte, er habe noch nie eine Tochter gesehen.“ Ich schließe die Augen. Der Hörer wird schwer in meiner Hand. Ich will schreien, dass es nicht stimmt, dass ich hier bin, dass ich immer hier war. Doch stattdessen sage ich nur: „Es ist alles in Ordnung. Mach dir keine Sorgen.“In der Redaktion am nächsten Tag: Timo lehnt an meinem Schreibtisch, die Mappe mit den Auszügen liegt vor ihm. „Wem gehört das?“ fragt er.
„Mir“, sage ich.
Er schüttelt den Kopf. „Dein Platz war gestern leer. Keiner hat dich gesehen.“
„Ich saß hier, den ganzen Tag.“
Er lacht, aber es ist ein Lachen ohne Wärme. „Marina, es gibt dich nicht in der Liste. Keine Anmeldung. Keine Datei. Bist du sicher, dass du…“ – er lässt den Satz offen, als wolle er nicht derjenige sein, der ihn beendet. In der Nacht schreibe ich meinen Namen immer wieder auf ein Blatt Papier.
Die Buchstaben verwischen, die Tinte zieht Schlieren. Ich starre auf die Flecken, bis sie aussehen wie Karten eines Ortes, den ich nie besucht habe.
Und als ich den Zettel ins Licht halte, steht da nur ein Wort, klar, nüchtern, wie von einer fremden Hand geschrieben: Nicht gefunden.

Leere Archive

Ich gehe in die alte Wohnung meiner Eltern. Der Flur riecht nach Bohnerwachs und Staub, als wäre seit Wochen niemand hier gewesen. Auf dem Schrank steht noch der alte Schuhkarton, in dem meine Mutter die Fotos gesammelt hat. Geburtstage, Einschulung, Sommerferien. Ich ziehe die Deckel ab, erwarte das Rauschen von Erinnerungen.

Doch die Bilder sind verschwunden. Leere Hüllen, beschriftet mit Jahreszahlen, aber ohne Inhalt. Nur glatte Flächen, als hätte jemand die Farbe abgezogen. Ich halte eine Karte gegen das Licht – nichts. Nur graue Leere.

Ich suche weiter. Zeugnisse, Briefe, alte Aufsätze. Alles ist da, die Mappen, die Umschläge. Aber die Seiten sind blank. Nur das Rascheln ist echt.

Am nächsten Tag gehe ich ins Stadtarchiv. Eine Halle voller Akten, Register, Mikrofilme. Ich gebe meinen Namen ein. Der Mann am Schalter tippt, tippt noch einmal. Dann hebt er den Kopf, mustert mich seltsam. „Sind Sie sicher, dass Sie hier geboren wurden?“
„Natürlich. 1991. Genf.“
Er schüttelt den Kopf. „Tut mir leid. Es gibt keinen Eintrag. Kein Geburtsdatum, keine Adresse. Nichts.“

Ich lehne mich gegen den Tresen, die Finger krallen sich in die Kante. „Das ist unmöglich.“
Er hebt die Schultern, fast entschuldigend. „Dann muss ein Fehler vorliegen.“
Fehler. Dieses Wort ist ein Messer geworden. Ich höre es überall, immer gleich, immer schneidend.

Abends sitze ich auf dem Bett, die Katze zusammengerollt neben mir. Ich öffne meinen Laptop, tippe meinen Namen in die Suchmaschine.
Die Seite lädt. Ein Moment Stille. Dann die Antwort:

404 – Not Found.

Ich klicke weiter, verzweifelt, immer schneller, immer hektischer. Überall dieselbe Meldung. Auf jeder Seite, in jedem Register. Selbst in den Tiefen des Netzes: keine Spur.

Ich sehe meine Hände auf der Tastatur. Sie bewegen sich, aber sie fühlen sich nicht an wie meine. Ich flüstere meinen Namen, so leise, dass nicht einmal die Katze den Kopf hebt.
Und selbst mein Flüstern klingt, als käme es aus dem Mund einer Fremden.

Der Fehler

Ich wache mitten in der Nacht auf. Kein Geräusch, kein Traum, nur dieser Schock, als hätte jemand meinen Namen ausgerufen. Ich taste nach dem Lichtschalter, doch der Schalter ist glatt. Kein Widerstand, kein Klick. Meine Hand gleitet darüber wie über eine gläserne Wand.

Im Dunkeln schalte ich den Laptop ein. Das helle Aufblitzen des Bildschirms zerreißt die Stille. Ich tippe meinen Namen, wieder, wieder, als könnte er durch Wiederholung zurückkehren. Stattdessen erscheint eine neue Zeile:

„Sie sind der Fehler.“

Ich reiße den Stecker aus der Dose. Doch der Bildschirm bleibt an. Die Katze springt erschrocken vom Tisch, rennt in den Flur. Ich sehe mein Gesicht im Spiegel des Monitors – aber es ist nicht mein Gesicht. Die Züge verschoben, der Blick ein anderer, wie ein Algorithmus, der sich vertippt hat.

Am nächsten Morgen will ich Elke treffen, sie soll mich sehen, mich festhalten in ihrer Erinnerung. Ich rufe sie an, immer wieder. Schließlich hebt sie ab, ihre Stimme müde.
„Wer sind Sie?“ fragt sie.
„Ich… ich bin’s, Marina.“
Stille. Dann das Klicken einer Leitung, die nicht mehr weiter will.

Ich renne durch die Stadt, atme zu schnell, sehe die Menschen. Sie gehen an mir vorbei, ihre Gesichter verschwimmen, als wären sie alle Kopien derselben Vorlage. Ich bleibe stehen, packe einen Mann am Arm, schreie ihn an: „Sehen Sie mich! Ich bin hier!“
Er reißt sich los, starrt mich an, als wäre ich Luft.

Zu Hause finde ich den Schuhkarton wieder. Die Fotos sind zurück. Aber auf jedem Bild ist nur eine verschwommene Figur. Ein Schatten, der im Hintergrund steht, unscharf, nie im Mittelpunkt.
Ich will die Schattenfrau erkennen, will beweisen, dass sie ich bin. Doch je länger ich hinsehe, desto klarer wird: Sie passt nicht in die Bilder. Wie ein eingefügter Fehler, ein Glitch.

Spät in der Nacht schreibe ich einen Satz in mein Notizbuch, Buchstabe für Buchstabe:
Ich existiere.

Als ich es am nächsten Morgen aufschlage, steht dort ein anderer Satz, sauber, klar, in fremder Schrift:
Nicht gefunden.

Der Abbruch

Die Stadt flimmert, als ich losfahre. Ampeln wechseln ohne Autos, Laternen blinken wie Morsezeichen, die keiner versteht. Der Asphalt glänzt, obwohl es nicht geregnet hat. Ich halte das Lenkrad fester, als könnte es mir Halt geben. Der Weg zu meiner Mutter ist vertraut – und doch wirkt er, als hätte jemand die Kulissen ausgetauscht.

Vor ihrem Haus parke ich. Der Motor läuft noch, aber ich höre ihn nicht. Die Fenster sind dunkel, nur ein schwaches Licht im Obergeschoss. Ich bleibe sitzen, unfähig auszusteigen.

Ich gehe die Stufen hinauf, klingle. Keine Antwort. Dann vibriert mein Handy in der Tasche. Ich nehme ab. Die Stimme meiner Mutter, brüchig, fern:
„Marina? Bist du noch da?“
„Ja, Mama, ich bin hier. Vor deiner Tür. Mach doch bitte auf.“

Eine Pause, dann: „Vor meiner Tür? Wer sind Sie?“
„Mama, ich bin’s. Deine Tochter.“
Ein kurzes, hartes Lachen, das sofort in ein Husten zerbricht. „Ich habe keine Tochter. Mein Mann hat sich immer eine gewünscht… aber wir hatten nie eine.“

Das Handy verstummt. Ich stehe da, doch niemand öffnet. Ich klopfe, nichts. Ich sehe mein Spiegelbild im Glas: ein Gesicht, das zu glatt wirkt, zu fehlerfrei – und doch voller Risse, wenn man genau hinsieht.

In der Nacht sitze ich wieder vor dem Laptop. Der Bildschirm flackert, schreibt von selbst. Worte, die ich nicht tippe:

„Du bist der Fehler. Vom System gemacht. Ein Programmfehler.“

Ich lese es, lautlos, immer wieder. Und begreife: Ich war nie Tochter, nie Kollegin, nie Freundin. Ich war ein Stück Code, das begann, sich selbst zu imitieren. Ein Fehler, der eigenständig wurde, der sich simulierte, um nicht gelöscht zu werden.

Ich dachte, ich lebte. Doch ich versuchte nur, mich zu korrigieren.

Der Cursor blinkt. Ich tippe:
„Kann man einen Fehler löschen?“

Die Antwort kommt sofort:
„Nur, wenn er stillhält.“

Ich hebe die Hände von der Tastatur. Warte. Spüre, wie der Bildschirm mich ansieht. Ich könnte stillhalten, mich auflösen, das Rauschen zulassen. Oder weiterschreiben, mich neu erfinden, trotz allem.

Doch ich weiß: Der Kollaps steht bevor. Fehler, die nicht behoben werden, verselbstständigen sich. Sie wachsen. Sie beginnen zu leben.

Der Raum summt. Die Lichter flackern. Und ich frage mich:
Bin ich schon gelöscht? Oder fange ich gerade erst an?

404 – Not Found.

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